[Buch] David Bowie - Station to Station von Andreas Jacke

Lori
Kooks
L
Beiträge: 0
03.02.2011, 12:49 Uhr
Zitat:
Das Buch [Marc Spitz] lohnt sich wirklich, auch wenn es teuer ist.

Oh ja, da stimme ich dir absolut zu! auch wenn die meisten hier die Fakten wahrscheinlich schon in- und auswendig kennen 😉



Marc Spitzs Bowie-Biografie gefällt mir auch ausgesprochen gut, auch wenn ich noch lange nicht durch bin, da das Buch einfach zu groß und schwer ist, um es überall hin mitzuschleppen 😉. Sein Schreibstil gefällt mir sehr, sehr gut - er schreibt (wie er im Vorwort ausführt) aus der Sicht eines objektiven Journalisten, der aber die fantypische Bewunderung nicht komplett ablegen kann und will und deshalb in eindeutig erkennbaren Randbemerkungen mit einfließen lässt - dies gelingt ihm sehr gut, wie ich finde.

Ein Buch von einem Fan für Fans und solche, die es werden wollen - unterhaltsam, sehr gut recherchiert/nicht anmaßend/und an keiner Stelle respektlos wirkend...



...und hier kommen wir zu Andreas Jacke, ebenfalls bekennender Bowie-Fan.

Das "Promo-Video" von Herrn Jacke auf youtube wirkt auf mich einfach nur respektlos und es tut weh, es anzusehen. Wenn ein Buch solch fragwürdige Werbung nötig hat (auch wenn sie vermutlich lustig sein soll), dann lässt das bei mir zumindest einige Alarmglocken schrillen.



Beim Buch selbst hatte ich - noch bevor ich das Video überhaupt kannte - auch gleich ein schlechtes Gefühl, was vom Klappentext des Buches herrührt:
Zitat:
David Bowie sang 1976: »Stay – that’s what I meant to say or do something / But what I never say is stay this time«. Für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstruktur stellen Trennungen von geliebten Menschen sehr schwer zu verarbeitende, traumatische Situationen dar, auf die sie mit vielfältigen Abwehrmechanismen reagieren.

Ausgerechnet ein Zitat aus "Stay", in welchem es nach David Buckley (1) um Onenight-Stands und nicht um die "Trennung von geliebten Menschen" geht, wird als Aufhänger verwendet, um uns mit Jackes Borderline-Theorie bekannt zu machen. Vielleicht habe ich den Klappentext falsch interpretiert, aber für mich liest sich das so: der konnte sich damals nicht binden - hah, schon haben wir das erste Indiz für Borderline!



Vielleicht hat Herr Jacke einfach nur einen für mich sehr eigenartigen Humor, den Klappentext hat wahrscheinlich sogar ein anderer geschrieben, im Interview bei MDR wirkte Herr Jacke auch durchaus symphatisch und ich kann (aus seiner Sicht!!!) auch noch verstehen, dass Herr Jacke als Bowie-Fan seine Doktorarbeit erneut ausschlachtet und nun auch noch ein Buch über Bowie schreibt (ich überlege auch schon die ganze Zeit, wie ich Bowie in meine berufliche Arbeit einbinden kann 😉 ).



Was ich aber nicht verstehe, ist dieses unglaublich furchbare Video, welches nach meinem Empfinden einfach nur peinlich und respektlos ist. Ich halte es überhaupt nicht für verwerflich, sich über Bowie auch mal lustig zu machen, aber doch bitte nicht derart geschmacklos! Herr Jacke, ich hätte mir hier deutlich mehr und respektvollere Distanz zu Bowies persönlichem Background und dafür mehr Nähe zu den Originallyrics gewünscht!



Und da ein Video, wie wir nicht nur von Bowie wissen, die Aussage des Produkts in diesem Fall ein Buch mit wissenschaftlichem Ansatz (2) unterstreichen soll, steht für mich fest, dass ich Herrn Jackes Buch in den nächsten 10 Jahren weder lesen und schon gar nicht kaufen werde (danach ist mir vielleicht seeeehr langweilig und ich lese es 😉 - kaufen allerdings kann ich sowas nicht, sorry)



(1) vgl. David Buckley: "David Bowie - Story und Songs kompakt" bzw. "David Bowie - The Complete Guide to his Music"

(2) vgl. Andreas Jackes Vorwort zum Buch
Nicole
Deranged
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03.02.2011, 22:50 Uhr
Die Leseprobe zeigt, daß der Autor einiges von seinem Handwerk versteht und auch sehr stolz darauf ist. Dennoch hätte ich bei einem Doktor der Philosophie eher erwartet, einmal ein Buch über philosophische Schulen und Stilrichtungen zu lesen, vielleicht auch aktuell gestaltet mit Bezug zum 20. und 21. Jahrhundert.

Meine (Vor-) Urteile habe ich revidiert, da ich ja nie das ganze Buch las.

Also kann ich nicht sagen, ob mir gefällt, was darin steht und ob der Autor meiner Meinung nach Recht hat oder nicht.

Genau wie Lori hat mich das "Station To Station"-Video von Hr. Jacke sehr abgestoßen und die Promotexte waren auch nicht mein Ding.

Ob da nun Borderline-Motive in den songs sind, interessiert mich herzlich wenig. Ich selbst kann auch Motive der Depression, der tiefen Verzweiflung, der Vereinsamung und Isolation, der puren Freude, gar Euphorie, der selbstkritischen Reflektion, der Beobachtung der Gesellschaft usw. usw. in seinen Texten entdecken. Und? Ich finde das gut. Denn er ist ein Mensch, steht dazu und läßt mich an diesen tiefen Gefühlen und Gedanken teilhaben. Danke dafür, David!

Deshalb bin ich ein Bowie-Fan und höre eben nicht Hansi Hinterseer, Roberto Blanco oder Heino, die meist nur tralala von sich geben.

Habe mich aber auch entschlossen, diese 29 Euro lieber für etwas anderes auszugeben, und mir das Buch später mal auszuleihen oder gebraucht zu kaufen.
Lori
Kooks
L
Beiträge: 0
03.02.2011, 23:43 Uhr
Zitat:
Ob da nun Borderline-Motive in den songs sind, interessiert mich herzlich wenig. Ich selbst kann auch Motive der Depression, der tiefen Verzweiflung, der Vereinsamung und Isolation, der puren Freude, gar Euphorie, der selbstkritischen Reflektion, der Beobachtung der Gesellschaft usw. usw. in seinen Texten entdecken. Und? Ich finde das gut. Denn er ist ein Mensch, steht dazu und läßt mich an diesen tiefen Gefühlen und Gedanken teilhaben. Danke dafür, David!

Wunderbar hast du das gesagt, Nicole! :zustimm:



Ich hätte es nicht besser ausdrücken können... danke!
Reinhold
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04.02.2011, 12:44 Uhr
Mein Senf zu dem Buch, Autor und die Kritik...


Zitat:
An dem Buch stört mich eher, dass der Autor David Bowie nicht besser kennen dürfte, als die meisten Leute hier im Forum und seine Mutmaßungen dementsprechend haltlos sind. Er interpretiert etwas in Songtexte, die sich auf die verschiedensten Arten auslegen lassen, und verkauft es, als wäre er zu einer fundamentierten Aussage gelangt. Sicher kann man da geteilter Meinung sein, ich für meinen Teil finde es dreist.

Jacke liefert eine Analyse von einigen Songs der 70er (Bowie schriebt die Songs, als er in der Zeit zwischen 22 und 30 Jahren alt war), wie ist denn seine Interpretation der Songs im Buch? Schon gelesen? Also, schön den Ball flach halten! :wink:


Zitat:
Das "Promo-Video" von Herrn Jacke auf youtube wirkt auf mich einfach nur respektlos und es tut weh, es anzusehen. Wenn ein Buch solch fragwürdige Werbung nötig hat (auch wenn sie vermutlich lustig sein soll), dann lässt das bei mir zumindest einige Alarmglocken schrillen.

Bowie sagte mal: "Gute Kunst muss irritieren!" Aufmerksamkeit und Attraktivität...
Zitat:
...Dennoch hätte ich bei einem Doktor der Philosophie eher erwartet, ...

Ein Dr. phil bedeutet ja nicht, dass jemand in Philosophie promoviert hat! Andreas Jacke kann ja einen Doktor phil in der Literaturwissenschaft, Soziologie oder Psychologie etc. haben. :schlaumeier:



Also, ich werde das Buch lesen! :wink:



Beste Grüße



Reinhold
Pflichtangabe zu den Inhaltsstoffen meiner Postings: Kompetenz, Erfahrung, geringe Anteile von Halbwissen. Kann Spuren von Ironie oder Hörensagen enthalten.
snowyowl
Kooks
S
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07.02.2011, 17:32 Uhr
Zitat:
Ich selbst kann auch Motive der Depression, der tiefen Verzweiflung, der Vereinsamung und Isolation, der puren Freude, gar Euphorie, der selbstkritischen Reflektion, der Beobachtung der Gesellschaft usw. usw. in seinen Texten entdecken.



Genau darauf wollte ich hinaus. Die Songs lassen sich in ganz verschiedene Richtungen auslegen. Die Interpretationsmöglichkeiten nehmen praktisch kein Ende.


Zitat:
Jacke liefert eine Analyse von einigen Songs der 70er (Bowie schriebt die Songs, als er in der Zeit zwischen 22 und 30 Jahren alt war), wie ist denn seine Interpretation der Songs im Buch? Schon gelesen? Also, schön den Ball flach halten! :wink:



Stimmt, ich habe mich natürlich nur auf die Beschreibung des Buches bezogen.
Zitat:
Andreas Jacke arbeitet mithilfe der Theorie Melanie Kleins verschiedene Borderline-Motive in Bowies Werk heraus
etc. Die reicht aber aus, um festzustellen: Andreas Jackes Analysen laufen darauf hinaus, dass David Bowies Lyrics angeblich das Borderline Syndrom widerspiegeln. Mit dieser Aussage wird für das Buch geworben und diese Aussage ist es, die ich - ohne dass ich die Begründung (sprich das Buch) dafür gelesen habe - nun mal als anmaßend empfinde. Wenn es allerdings nicht darum geht und Andreas Jackes Analysen einen anderen Zweck verfolgen, ist die Werbung missglückt. :wink:



Ich bin aber schon ehrlich gespannt auf deine Meinung zum Buch, wenn du es gelesen hast. Vielleicht kannst du mich ja doch noch eines Besseren belehren, falls der Negativeindruck des Werkes doch eher auf die falsche Werbung und dieses misslungene Video zurückzuführen sein sollte. 🙂
Reinhold
Administrator
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07.02.2011, 18:21 Uhr
Zitat:
... nun mal als anmaßend empfinde. ...

Weißt Du, wie der Arbeitstitel für "China Girl" war? :wink:

http://en.wikipedia.org/wiki/TheIdiot(album)



Beste Grüße



Reinhold
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miss_peculiar
Heathen
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07.02.2011, 19:21 Uhr
@Reinhold: Kann es sein daß Du aus Versehen einen anderen Artikel verlinkt hast als Du eigentlich wolltest?

Ich nehme an daß dieser Wikipedia-Eintrag gemeint ist:

The Idiot (album)



miss peculiar
The game is on!
Nicole
Deranged
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Beiträge: 1.534 Registriert: 19.12.2010
07.02.2011, 20:28 Uhr
Sorry, daß ich nochmal meinen Senf dazugebe.

Ich bin dagegen, nur aus den Songtexten einer Person auf sein Leben und seine Persönlichkeit sowie seine Psyche zu schließen.

Ach ja, der toxische Lebenswandel kommt ja auch noch dazu.

Wie ich schon mal schrieb, könnte es sein, daß ein Großteil aller weltweit bekannten Künstler Borderline-Motive hatten oder eine Borderline-Persönlichkeit.

Reinhold: Ja, der Arbeitstitel war "Borderline". Allgemein übersetzt als Grenze, Abgrenzung. In dem Artikel über Iggy's Album, auf dem der song "China Girl" zuerst auftaucht, steht auch, daß der Song von Iggy's unerwiderter Liebe handelt. Wer wieviel zu diesem Songtext (den mam leicht auf 3 oder 4 Arten auslegen kann) beitrug, wissen wir gar nicht. Es steht ja nicht hinter jeder Zeile (Bowie) oder (Pop).

Tja, was machen wir dann mit Madonna?

Die hat ihren song "Borderline" bei dem Titel belassen und spricht darin davon, daß sie fürchtet verrückt ("insane"😉 zu werden, und das nur wegen Liebesschmerz! Ts, ts, ts.... was für eine instabile Persönlichkeit könnte dahinter stecken? Dazu noch die Imagewechsel, die David's in der Anzahl weit übertreffen...

Kann gut sein, daß man in songs von D.B. die B-Motive findet und daß dies nach Lesen des Buches uns allen klar sein würde.

Wir müssten es lesen, um wirklich etwas dazu sagen zu können.

Und wenn schon, denke ich wieder einmal.

Immer noch bin ich der Meinung, daß andere Persönlichkeiten viel mehr Motive aufweisen (David hat noch nie einer Fledermaus auf der Bühne den Kopf abgebissen oder ähnliches getan, ist GottseiDank auch viel weniger "shocking" aufgetreten als z.B. ein Marilyn Manson).

Jedenfalls hat man ihm das Sorgerecht für seinen Sohn zugesprochen, also kann's ja nicht soo schlimm um ihn gestanden haben damals, denke ich.

Bin gespannt, was der erste Leser hier berichten wird. Ob der Autor nur der Meinung ist, daß die Motive bis 1980 da waren, dann nicht mehr?

Oder ob es einfach zu langwierig war, auch die songs der letzten 30 Jahre zu untersuchen? Oder ob jetzt alles kuriert ist, da David nun so lang verheiratet ist und damit schon mal ein Borderline-Symptom wegfällt?

Fragen über Fragen, die ich mir zwar nur alle stelle, weil ich ein leidenschaftlicher Fan bin und "meinen" Star nicht so dargestellt sehen will wie irgendwelche Amokläufer. Die aber auch dazu führen daß ich immer gespannter auf dieses Buch bin.

Vielleicht ist das ja auch eine gute Verkaufstrategie? :wink:
Lori
Kooks
L
Beiträge: 0
07.02.2011, 23:21 Uhr
Zitat:
Vielleicht ist das ja auch eine gute Verkaufstrategie? :wink:

Genau so wird es sein. Wenn du das Buch nun doch deswegen kaufst, hat Herr Jacke sein Ziel erreicht 😉

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