Zitat:
Das Buch [Marc Spitz] lohnt sich wirklich, auch wenn es teuer ist.
Oh ja, da stimme ich dir absolut zu! auch wenn die meisten hier die Fakten wahrscheinlich schon in- und auswendig kennen 😉
Marc Spitzs Bowie-Biografie gefällt mir auch ausgesprochen gut, auch wenn ich noch lange nicht durch bin, da das Buch einfach zu groß und schwer ist, um es überall hin mitzuschleppen 😉. Sein Schreibstil gefällt mir sehr, sehr gut - er schreibt (wie er im Vorwort ausführt) aus der Sicht eines objektiven Journalisten, der aber die fantypische Bewunderung nicht komplett ablegen kann und will und deshalb in eindeutig erkennbaren Randbemerkungen mit einfließen lässt - dies gelingt ihm sehr gut, wie ich finde.
Ein Buch von einem Fan für Fans und solche, die es werden wollen - unterhaltsam, sehr gut recherchiert/nicht anmaßend/und an keiner Stelle respektlos wirkend...
...und hier kommen wir zu Andreas Jacke, ebenfalls bekennender Bowie-Fan.
Das "Promo-Video" von Herrn Jacke auf youtube wirkt auf mich einfach nur respektlos und es tut weh, es anzusehen. Wenn ein Buch solch fragwürdige Werbung nötig hat (auch wenn sie vermutlich lustig sein soll), dann lässt das bei mir zumindest einige Alarmglocken schrillen.
Beim Buch selbst hatte ich - noch bevor ich das Video überhaupt kannte - auch gleich ein schlechtes Gefühl, was vom Klappentext des Buches herrührt:
Zitat:
David Bowie sang 1976: »Stay – that’s what I meant to say or do something / But what I never say is stay this time«. Für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstruktur stellen Trennungen von geliebten Menschen sehr schwer zu verarbeitende, traumatische Situationen dar, auf die sie mit vielfältigen Abwehrmechanismen reagieren.
Ausgerechnet ein Zitat aus "Stay", in welchem es nach David Buckley (1) um Onenight-Stands und nicht um die "Trennung von geliebten Menschen" geht, wird als Aufhänger verwendet, um uns mit Jackes Borderline-Theorie bekannt zu machen. Vielleicht habe ich den Klappentext falsch interpretiert, aber für mich liest sich das so: der konnte sich damals nicht binden - hah, schon haben wir das erste Indiz für Borderline!
Vielleicht hat Herr Jacke einfach nur einen für mich sehr eigenartigen Humor, den Klappentext hat wahrscheinlich sogar ein anderer geschrieben, im Interview bei MDR wirkte Herr Jacke auch durchaus symphatisch und ich kann (aus seiner Sicht!!!) auch noch verstehen, dass Herr Jacke als Bowie-Fan seine Doktorarbeit erneut ausschlachtet und nun auch noch ein Buch über Bowie schreibt (ich überlege auch schon die ganze Zeit, wie ich Bowie in meine berufliche Arbeit einbinden kann 😉 ).
Was ich aber nicht verstehe, ist dieses unglaublich furchbare Video, welches nach meinem Empfinden einfach nur peinlich und respektlos ist. Ich halte es überhaupt nicht für verwerflich, sich über Bowie auch mal lustig zu machen, aber doch bitte nicht derart geschmacklos! Herr Jacke, ich hätte mir hier deutlich mehr und respektvollere Distanz zu Bowies persönlichem Background und dafür mehr Nähe zu den Originallyrics gewünscht!
Und da ein Video, wie wir nicht nur von Bowie wissen, die Aussage des Produkts in diesem Fall ein Buch mit wissenschaftlichem Ansatz (2) unterstreichen soll, steht für mich fest, dass ich Herrn Jackes Buch in den nächsten 10 Jahren weder lesen und schon gar nicht kaufen werde (danach ist mir vielleicht seeeehr langweilig und ich lese es 😉 - kaufen allerdings kann ich sowas nicht, sorry)
(1) vgl. David Buckley: "David Bowie - Story und Songs kompakt" bzw. "David Bowie - The Complete Guide to his Music"
(2) vgl. Andreas Jackes Vorwort zum Buch