Super ergänzt, danke @Ulli 👍
In der Tat, eine wirklich schräge Szene bei der ich mich gefragt habe, was der Typ, dieser Angry of Mayfair, soll und ob das Outfit mit der Damenunterwäsche extra so für das BKS Video ausgesucht worden war, sozug. passend zum Thema.
Aber offensichtlich handelt es sich dabei um eine Kultfigur der Everett-Sendung, die generell solche Klamotten an gehabt haben soll.
Very schräg. Very British 😉
LG, Carmen
Boys Keep Swinging | SdT 20.03.2021
20.03.2021, 23:37 Uhr
The return of the Thin White Duke, throwing darts in lover's eyes
25.04.2024, 15:51 Uhr
Eine Version von Nacho und er schreibt:
Reinhold
Zitat:
Am 8. April nahm Bowie in den Good Earth Studios von Tony Visconti in Soho, London, den Backing Track für diese spezielle Version von Boys Keep Swinging auf. Es war eine eigens von Visconti für die Session zusammengestellte Band, zu der die ehemaligen Tourteilnehmer der 78er Tour Simon House und Sean Mayes an der Geige bzw. am Klavier, Brian Robertson von Thin Lizzy an der Gitarre und Visconti am Bass gehörten. Am nächsten Tag, dem 9. April, fand die Aufzeichnung der Show im Thames Television House, ebenfalls in London, statt. Die Regie führte David Mallet, der auch bei der gesamten Kenny Everett Show Regie führte. Die Folge wurde dann am 23. April auf ITV ausgestrahlt.
Das war das erste Mal, dass neues Material von Bowies kommendem Album Lodger ausgestrahlt wurde. Seit der Veröffentlichung des Albums „Heroes“ im Oktober 1977 waren für Bowie-Fans 18 Monate vergangen.
Die Single Boys Keep Swinging sollte erst in vier Tagen veröffentlicht werden. Und als sie erschien, war es eine andere Version als die, die in der Kenny Everett Show ausgestrahlt wurde, mit einem anderen Video dazu.
Die Audio- und Videoversion von Boys Keep Swinging in der Kenny Everett Show ist wohl überzeugender als die offiziellen Versionen. Ja, man vermisst Belews wunderbare schreiende Gitarrenausflüge in der Lodger-Version und die drei Bowies im Drag im offiziellen Video. Aber ich mag den Live-Gesang und die Rauheit dieser Version sehr. Und Bowie sieht hier spektakulär schön aus, in einem schwarzen Overall, Sandalen und weißem Nagellack. Es macht ihm sichtlich Spaß, seinen neuen Song aufzuführen.
Die Kenny Everett Show war das erste Mal, dass Bowie mit dem Regisseur David Mallet zusammenarbeitete. Bowie war von den Ergebnissen so beeindruckt, dass er mit Mallet auch das offizielle Video zu Boys Keep Swinging drehte, für das er dasselbe Set wie für die Kenny Everett Show verwendete. Bowie und Mallet arbeiteten auch bei den anderen Videos zu Lodger-Songs zusammen und in den 80er Jahren zeitweise bei mehreren sehr bekannten Videos.
Vor fünf Jahren habe ich versucht, die Aufführung von Kenny Everett zu restaurieren. Seitdem habe ich eine etwas bessere Quelle gefunden, und die Technik hat sich weiterentwickelt. Hier ist also Take 2.
Hinweis: Während des Abspanns am Ende dieser Folge der Kenny Everett Show sehen wir kurze Clips, in denen Bowie die Geige schleudert, anstatt sie zu fangen, wie er es in dem Clip von Boys Keep Swinging tut. In dem Clip tut er so, als würde er während der schrillen Gitarrenpause Geige spielen. Was man hier sieht, ist rückwärts abgespieltes Filmmaterial in verschiedenen Zeitlupenstufen. Aus Neugierde habe ich das Material in die richtige Richtung gedreht und auf eine normale Geschwindigkeit gebracht. Die Ergebnisse sind am Ende des Videos zu sehen.
Vielen Dank fürs Anschauen, ich hoffe, es gefällt euch!
Reinhold
Pflichtangabe zu den Inhaltsstoffen meiner Postings: Kompetenz, Erfahrung, geringe Anteile von Halbwissen. Kann Spuren von Ironie oder Hörensagen enthalten.
01.09.2025, 09:07 Uhr
ja @Carmen, Machismo im Zerrspiegel...
„When you’re a boy…“ – und schon kippt die Haltung. Drei Minuten Garage mit trockenem Grinsen, darunter eine feine Säge: Bowies Persiflage auf Männlichkeitsrituale, geschnitzt aus derselben Akkord-DNA wie „Fantastic Voyage“, jedoch mit gebleckten Zähnen und Tanzschuhen. Veröffentlicht am 27. April 1979 als Leadsingle von Lodger; UK Top-10, die B-Seite heißt – folgerichtig – „Fantastic Voyage“.
Oblique Strategies, Karte „reverse roles“: Eno zieht, Bowie nickt – und die Band vertauscht die Werkzeuge. Carlos Alomar wechselt ans Drumkit, Dennis Davis greift zum Bass, Adrian Belew setzt ein Solo wie ein Messerwurf aus dem Halbdunkel. Der bewusst rohe „Jugendzimmer“-Sound ist kein Versehen, sondern Konzept. Tony Visconti modelliert den Bass im Mix noch einmal nach: überzeichnet, federnd, ein zweiter Hook im Song. Ergebnis: elegant rumpelig – eine kontrollierte Entgleisung mit Absicht.
Bowie zählt Privilegien auf wie Abziehbilder („Uniform tragen, Auto fahren, Haus kaufen“) und lässt die Ironie arbeiten. Kein Thesenpapier, sondern Nadelstiche: Boyhood als Bühnenkunst, Männlichkeit als Maskenspiel. Dass „Boys“ und „Fantastic Voyage“ dieselbe harmonische Grundplatte teilen, ist Spiegelbau – zwei Perspektiven auf identisches Material, einmal Pose, einmal Nachdenken.
David Mallet filmt den Sänger zunächst als Mod im Maßanzug – dann tauchen drei „Grazien“ auf, alle drei Bowie in Drag: 60s-Tart, Bacall-Schatten, Dietrich/Garbo-Hybrid. Im Finale reißen zwei die Perücken ab, verwischen den Lippenstift – ein Gruß aus Romy Haags Berliner Nächten –, die dritte verabschiedet sich mit einem trockenen Handkuss. Nicht Pointe, sondern Entzauberung. Auch der Startschuss für eine langjährige Bowie/Mallet-Achse.
Die Kenny Everett Video Show trägt den Titel im UK auf Platz 7. In den USA dagegen bleibt die Single in der Schublade; die Plattenfirma setzt auf „Look Back in Anger“. Zu viel Gender-Biegung für den Mainstream? Möglich. Der Mythos wurde nicht kleiner.
Warum das 2025 noch trifft?
Weil „Boys Keep Swinging“ die Pose nicht bekämpft, sondern vorführt – leicht verschoben, bis sie durchsichtig wird. So klingen Rollenbilder, wenn man sie ein paar Millimeter aus der Halterung dreht: tanzbar, aber wacklig; stolz, aber porös. Ein Song, der mit Lust an der Übertreibung die Grenze zeigt – und dabei schamlos Spaß macht.
Funktioniert die Demaskierung im Clip als Befreiungsgeste oder als Ende der Illusion? @Carmen @Petralpz @sway99 @mrs.stardust @Guido @Volker @Ulli @Bluebird @Simone
Reinhold
„When you’re a boy…“ – und schon kippt die Haltung. Drei Minuten Garage mit trockenem Grinsen, darunter eine feine Säge: Bowies Persiflage auf Männlichkeitsrituale, geschnitzt aus derselben Akkord-DNA wie „Fantastic Voyage“, jedoch mit gebleckten Zähnen und Tanzschuhen. Veröffentlicht am 27. April 1979 als Leadsingle von Lodger; UK Top-10, die B-Seite heißt – folgerichtig – „Fantastic Voyage“.
Oblique Strategies, Karte „reverse roles“: Eno zieht, Bowie nickt – und die Band vertauscht die Werkzeuge. Carlos Alomar wechselt ans Drumkit, Dennis Davis greift zum Bass, Adrian Belew setzt ein Solo wie ein Messerwurf aus dem Halbdunkel. Der bewusst rohe „Jugendzimmer“-Sound ist kein Versehen, sondern Konzept. Tony Visconti modelliert den Bass im Mix noch einmal nach: überzeichnet, federnd, ein zweiter Hook im Song. Ergebnis: elegant rumpelig – eine kontrollierte Entgleisung mit Absicht.
Bowie zählt Privilegien auf wie Abziehbilder („Uniform tragen, Auto fahren, Haus kaufen“) und lässt die Ironie arbeiten. Kein Thesenpapier, sondern Nadelstiche: Boyhood als Bühnenkunst, Männlichkeit als Maskenspiel. Dass „Boys“ und „Fantastic Voyage“ dieselbe harmonische Grundplatte teilen, ist Spiegelbau – zwei Perspektiven auf identisches Material, einmal Pose, einmal Nachdenken.
David Mallet filmt den Sänger zunächst als Mod im Maßanzug – dann tauchen drei „Grazien“ auf, alle drei Bowie in Drag: 60s-Tart, Bacall-Schatten, Dietrich/Garbo-Hybrid. Im Finale reißen zwei die Perücken ab, verwischen den Lippenstift – ein Gruß aus Romy Haags Berliner Nächten –, die dritte verabschiedet sich mit einem trockenen Handkuss. Nicht Pointe, sondern Entzauberung. Auch der Startschuss für eine langjährige Bowie/Mallet-Achse.
Die Kenny Everett Video Show trägt den Titel im UK auf Platz 7. In den USA dagegen bleibt die Single in der Schublade; die Plattenfirma setzt auf „Look Back in Anger“. Zu viel Gender-Biegung für den Mainstream? Möglich. Der Mythos wurde nicht kleiner.
Warum das 2025 noch trifft?
Weil „Boys Keep Swinging“ die Pose nicht bekämpft, sondern vorführt – leicht verschoben, bis sie durchsichtig wird. So klingen Rollenbilder, wenn man sie ein paar Millimeter aus der Halterung dreht: tanzbar, aber wacklig; stolz, aber porös. Ein Song, der mit Lust an der Übertreibung die Grenze zeigt – und dabei schamlos Spaß macht.
Funktioniert die Demaskierung im Clip als Befreiungsgeste oder als Ende der Illusion? @Carmen @Petralpz @sway99 @mrs.stardust @Guido @Volker @Ulli @Bluebird @Simone
Reinhold
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