Gestern haben wir schon erfahren, dass „Run“ sich aus den Fragmenten eines alten Kevin Armstrong Demos namens „Babylon Bridge“ entwickelt hat. Heute gehen wir auf Spurensuche bezüglich des nur live gespielten Tin Machine Tracks „Now“. Zum Ende der recht kurzen 89iger Tin Machine Tour kündigte Bowie am 29.06.1989 in London Kilburn einen neuen Track mit den folgenden Worten an:
Zitat:
Were going to try a new song for the first time. We havent finished the lyrics, so well make it up as we go along. For the moment its called „Now”.
Aha, ein neuer Tin Machine Song mit halbfertigen Lyrics namens „Now“! Da sind wir aber mal gespannt 😉
“Now” - Tin Machine National Ballroom, London 29th June 1989
Live wurde dieser Song an nur zwei Abenden der Tour, nämlich in London sowie 2 Tage später in Bradford gespielt. In Bradford wurde „Now“ zu meiner eigenen Überraschung als erstes Stück in dem Konzert dargeboten. Innerhalb von zwei Tagen hat sich dieser Song spürbar weiterentwickelt.
Während in London die Darbietung von „Now“ noch recht konfus anmutet, so kommt die Bradford Aufnahme schon überraschend stringent daher. An beiden Tagen beginnt dieser Song nicht nur mit dem Intro der 88ger Version von „Look Back In Anger“, sondern er erinnert in vielen Momenten auch an diesen Bowie Klassiker.
Unfassbar mit welcher Wucht Hunt Sales während des Intros und später im Song auf seine Drums eindrischt. Das rockt absolut und im zweiten ruhigeren Teil des Songs kann man* wunderbar das spätere „Outside“ heraushören.
Was für ein Konzert-Auftakt und was für ein großartiger Tin Machine Moment. Tin Machine spielen eine furiose Fusion aus „Look Back In Anger“ und „Outside“, nur dass „Outside“ erst über sechs Jahre später offiziell veröffentlicht wurde. In dem hier und jetzt des Tin Machine Konzertes in Bradford verschmolzen also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer außergewöhnlichen Symbiose, dem einzigartigen „Now“.
“Now” - Tin Machine St George's Hall, Bradford, England 2nd July 1989
Ich hoffe, dass die Zusammenhänge zwischen „Look Back In Anger“, „Outside“ und „Now“ nicht schon genügend aufreibend für den gemeinen Peoploid sind. Nahezu unfassbar waren zumindest für mich die weiteren Infos des Tin Machine Sidekicks Kevin Armstrong, aus dessen Mail ich nun nochmal zitieren möchte:
Zitat:
Both Run and Outside were based upon songs I had written for myself in 1980. Bowie heard me playing them at a couple of soundchecks and asked if he could use them for ideas. The song Love is Essential which Bowie turned into Now and then Outside appears on an album called New Opium by my band Local Heroes SW9 on Oval records. It was also covered by The Passions on their Sanctuary album form 1982.
Wie elektrisiert las ich an dem besagten Sonntag diese Mail. Nach kurzer aufgeregter Recherche bestellte ich mir sowohl einige Alben der Local Heroes SW9 sowie „Sanctury“ von The Passion.
Nach gut drei Wochen trudelten dann auch nach und nach die Platten bei mir ein und gespannt legte ich diese auf. Und tatsächlich hört man auf der 1981 erschienen LP New Opium auf dem Song „Love Is Essential“ das Motiv von Outside. An den Keyboards ist hier übrigens kein geringerer als Thomas Dolby aktiv. In einem Bowieversum, in dem alles mit allem zusammenhängt, kommen wir also von Local Heroes SW9 zur Bowie-Live-Aid-Band und von dort über Tin Machine zu „Outside“. Ein (zumindest für mich) nahezu unfassbarer Zusammenhang. Aber bitte hört nun selbst:
Local Heroes SW9, Love Is Essential
Dass „Love Is Essential“ schon ein Jahr später unter Mitwirkung von Kevin Armstrong von einer Band namens „The Passion“ gecovert worden ist, ist ebenso überraschend. Weder von den Local Heroes SW9 noch von The Passion hatte ich zuvor jemals was gehört. Aber hört selbst, am Gesang ist mit Barbara Cogan übrigens eine Frau.
The Passion, Love Is Essential
Zu guter Letzt kommen wir nun noch einmal auf Kevin Armstrong und seine dritte Interpretation des „Love Is Essential“ Motiv zurück und lehnen uns entspannt zurück und lauschen seiner Coverversion von "Outside" und dem wunderbaren Saxofon des großartigen Terry Edwards.
Kevin Armstrong, "Outside"
Auf dem von Bowie veröffentlichten Track „Outside“ spielt Kevin Armstrong zwar nicht mit, dafür ist er aber trotzdem auf dem „Outside“ Album präsent, und zwar spielt er Gitarre auf „Thru' These Architects Eyes“. Auch ein Detail, welches mir bislang nicht bekannt war.
Nun schließe ich den heutigen SdT mit Dank an den Architekten des Outside-Motivs sowie mit der sich immer weiter zementierten Auffassung: I ❣️ Tin Machine (trotz allem und gerade deshalb und weil eh alles mit Allem zusammenhängt).
Am kommen Montag werde ich „Outside“ im Zusammenspiel mit einem Anonymus Peopleloidus in den Ring werfen. Ab Dienstag sind dann wieder einige SdT-Slots (Team-Work-Woche?) zu vergeben!
Zu vergeben sind bestimmt auch noch einige Armstrong "Run" CDs, die man übrigens direkt bei Kevin Armstrong per Mail bestellen kann: Kevin Armstrong | Bowie and Iggy Pop band leader.